Letters to letters

Eine poetische Bilderreise vom Hebräisch der Bibel zum heutigen Hebräisch

Im Rahmen dieses Programms werden 13 Poesiefilme gezeigt, die sich alle mit hebräischen Texten aus Vergangenheit und Gegenwart befassen. Die Filme verwenden eine Vielzahl filmischer Ausdrucksformen, von Videokunst bis Animation und von Erzählung bis Dokumentarfilm. Die präsentierte Dichtung ist vielfältig – von den ikonischen Bialik, Zelda und Alterman bis zur neuen rebellischen Generation von Eli Eliahu, Tal Nitzan und Efrat Mishori. Die Filme und Texte eröffnen einen umfassenden Einblick in die hebräische Sprache und israelische Kultur.

Das Programm wurde zuerst im März 2021 in Israel auf dem EPOS International Art Film Festival in Tel Aviv gezeigt. Es ist kuratiert und wird präsentiert von der israelischen Filmemacherin Jasmine Kainy.

Berge zu Gilboa

Regie: Lily Rattok und Ziv Yonatan

3:29 min

Der Film basiert auf dem Bibeltext „Ihr Berge zu Gilboa, es müsse weder tauen noch regnen auf euch noch Äcker sein, davon Hebopfer kommen” (2. Samuel 1,21). Dies ist das traurige Klagen König Davids um Saul und Jonathan, in dem er prophezeite, dass die Wunden für immer ins Schlachtfeld eingebrannt sein würden. Das Werk befasst sich mit kriegerischer Gewalt als einem ursprünglichen und anhaltenden Fluch. Es beginnt mit dem Bild eines lodernden Feuers, das alles zerstört, während der Kampf symbolisch in der Ferne dargestellt wird. Das Video wurde an dem historisch aufgeladenen Ort der Berge von Gilboa aufgenommen ohne den archäologischen Merkmalen besondere Beachtung zu schenken. Die stummen und einzigen Zeugen des Geschehnisses sind der dürre Boden des öden Berges, die grelle Sonne, die trockenen Disteln, die die Landschaft bedecken, und der rauhe Wind.

Der Film wurde zuerst in der Carnegie Hall in New York gezeigt.

Kindheit, Auszug aus Bialik – King of the Jews

Regie: Yair Qedar

Animation: Jewboy ™

7:45 min

Kunstvoll animiert von einem der angesehendsten Grafikdesigners Israels, ist dies ein Ausschnitt eines Langspiel-Dokumentarfilms über die Schriften und das Leben von Israels Nationaldichter Haim Nachman Bialik (1973-1934). Bialik, der seine ersten Gedichte in Hebräisch in den 1890ern veröffentlichte während er noch in Russland lebte, spielte eine wichtige Rolle für die Neubelebung der hebräischen Sprache. In diesem Poesiefilm über seine Kindheit verweisen Bialiks Gedichte und andere seiner Schriften, begleitet von den hypnotisierenden Bildern des Animators JewboyTM, auf den Ursprung seines Schreibens und seiner Kreativität.

Ein Teil von “Bialik – King of the Jews”, Regie: Yair Qedar.

Ich stand in Jerusalem

Regie: Nurit Jacobs Yinon

basierend auf einem Gedicht von Zelda

5:54 min

Dieser Film basiert auf dem sehr bekannten Gedicht der ikonischen hebräischen Dichterin Zelda Schneurson Mishkovsky (1914-1984) ‚Ich stand in Jerusalem’. Zelda war vom Glauben her orthodox-religiös und lebte fast ihr ganzes Leben in der Stadt Jerusalem. Ihre Gedichte, hoch spirituell und erfüllt von tiefem Glauben, gleichzeitig aber auch sehr offen, lebhaft und bestimmt, rührten die Herzen von Religiösen wie Säkularen gleichermaßen. Dieser einzigartige Poesiefilm präsentiert das Gedicht sowie die Dichterin, wie sie ihr Gedicht vorträgt – archivarische Aufnahmen, durch Zufall von der Regisseurin gefunden.

Euphorie

Regie: Eliran Peled

basierend auf Nathan Altermans Gedicht “Since you Took Me by Storm”

7:40 min

“Since you Took Me by Storm” (‚Seit Du mich im Sturm erobert hast’), veröffentlicht 1938 von Nathan Alterman (1910-1970), gilt als ein bedeutender poetischer Meilenstein moderner israelischer Dichtung und als Höhepunkt Altermans Schaffens. Das Gedicht wurde mehrmals vertont und vorgetragen, wobei jede*r Künstler*in die eher unkonkreten Worte unterschiedlich interpretiert. Der junge Filmemacher traf die mutige Entscheidung, Musik zu verwenden, um sich filmisch auszudrücken und die Liebe und Sehnsucht, die in dem Gedicht zum Ausdruck kommen, lebendig werden zu lassen.

Junger David

Regie: Avi Dabach

basierend auf einem Gedicht von Yehuda Amichai

5:28 min

Eine surrealistische Szene in der Judäischen Wüste geht einem der kraftvollsten Gedichte Yehuda Amichais nach, das König Davids Einsamkeit beschreibt. Amichai (1924-2000) ist wahrscheinlich der am meisten übersetzte israelische Dichter. Seine Werke wurden in 35 Sprachen übersetzt und weltweit gelesen und studiert. Avi Dabach, ein erfahrener Dokumentarfilmer, brachte seine einzigartige Sicht auf das Gedicht in diesen überraschenden Poesiefilm ein.

Einbeiniger Marsch

Regie: Yael Bedarshi

basierend auf einem Gedicht von Amos Kenan

1:30 min

Amos Kenan (1927-2009), ein preisgekrönter israelischer Novelist und Dichter, war einer der Begründer der Kanaanitischen Bewegung – einer kulturellen und ideologischen Bewegung, die einen bedeutenden Einfluss auf israelische Kunst, Literatur, geistiges und politisches Denken hatte. Der Film wurde von Yael Bedarshi gedreht, einem Künstler und Filmemacher, der ein enger Freund der Familie Kenan ist. Er wurde im Jahr 2009 kurz bevor Kenan starb gedreht. Der Film fängt die Magie ein, die entsteht, wenn ein Dichter seine eigenen Worte liest.

Zwei brennende Schiffe

Regie: Naama Shohat

basierend auf einem Gedicht von Dahlia Ravikovitch

3:45 min

An die Ästhetik eines gedruckten Gedichtbandes und an die Form der Buchstaben, die die Wörter in diesem herzzerreißenden Gedicht der Israel-Preisträgerin Dahlia Ravikovitch (1936-2005) bilden anlehnend, erkundet die Filmemacherin die Beziehung zwischen Bild und Wort – so genau wie möglich wie es ein Kopiergerät kann.

Haloma (Ihr Traum)

Regie & Text: Raquel Chalfi

6:20 min

Ein Auszug aus dem gleichnamigen Langspielfilm, ein einzigartiges Werk von einer der bedeutendsten Dichter*innen und Video Art Filmemacher*innen Israels. Produziert im Jahr 1987, gedreht mit 16mm-Film, ohne Dialog. Aber zu Anfang erzählt das Gedicht eine Geschichte von einer Frau, einem Mann und ihrer faszinierenden Dynamik.

Mal mir ein Bild

Regie: Jasmine Kainy

basierend auf einem Gedicht von Hedva Harechavi

7:30 min

Teil einer Poesiefilm-Trilogie basierend auf Gedichten der preisgekrönten israelischen Dichterin Hedva Harechavi. In diesem Film mühen sich drei Generationen von Frauen ab, miteinander zu kommunizieren. Der Großmutter und Mutter fällt es schwer, den Ärger und die Last aus der Vergangenheit zu überkommen. Ihre Hoffnung, wieder miteinander in Verbindung zu treten, liegt in den Händen der Enkeltochter.

Mountain High

Regie: Avi Dabach

basierend auf einem Gedicht von Tal Nitzan

2:49 min

Ausdrucksvolle Videokunst des Dokumentarfilmemachers Avi Dabach, die den explosiven Worten der preisgekrönten Dichterin Tal Nitzan folgt. Tal Nitzan liest ihr Gedicht selbst und trägt so auch zur Intensität und Anziehungskraft des Stückes bei. Nitzan gehört zu einer neuen Generation von Dichter*innen, die mit Sprachformeln, die von früheren Dichter*innen aufgestellt wurden, brechen – und Dabachs Film tut es ihr gleich.

Die Zwangsvollstreckungen

Regie: Yogev Yefet

basierend auf einem Gedicht von Eli Eliahu

1:55 min

Dieser hyperrealistische Poesiefilm wurde von einem jungen aufstrebenden Regisseur produziert. Der Film folgt eng einem albtraumhaften Gedicht über wirtschaftliche Not, erlebt und geschrieben von dem preisgekrönten jungen Dichter Eli Eliahu. Eliahu gilt als einer der herausragenderen Vertreter*innen der neuen Welle von Dichtung in hebräischer Sprache. Aber im 21. Jahrhundert verhelfen einem literarische Preise nicht zum finanziellen Überleben…

Kein Schatten

Regie: Efrat Mishori and Dana Goldberg

basierend auf einem Gedicht von Efrat Mishori

Israel 2015. 7:58 min

‚Kein Schatten’ ist ein Video-Gedicht, ein surreal-assoziativer Traum/Albtraum. Ein filmisches Experiment, die Stille des Unterbewusstseins einer Frau synchronisierend. Der Film wurde mit einem Samsung Galaxy S4 aufgenommen. Er wurde produziert von Dana Goldberg, einer berühmten und bahnbrechenden Filmemacherin, und dem gefeierten Dichter Efrat Mishori, der Teil einer neuen Bewegung hebräischer Dichtung ist.

Kommt von draußen

Regie: Jasmine Kainy

basierend auf einem Gedicht von Ido Yoav

3:34 min

Der Film nimmt den Kafka-Bezug des Gedichts als Ausgangspunkt. Vier Schauspieler*innen (führende Theater- und Filmschauspieler*innen in Israel) nutzen das Gedicht für die Zeilen ihres Dialogs, jede*r in seiner*ihrer Muttersprache: Jiddisch, Bulgarisch, Arabisch und Georgisch. In einer kafkaesken Szene, in der sie nach einer Antwort suchen, oder einem Weg hindurch, sprechen sie miteinander ohne ein Wort von dem Gesagten zu verstehen. Im Hintergrund ist ein verblassendes Bild des Dichters Ido Yoav zu sehen. Yoav ist Teil einer neuen Generation von Dichter*innen.